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In Würde leben - in Würde sterben
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Das Entstehen von Hospizinitiativen und –vereinen, von Hausbetreuungseinrichtungen und Palliativstationen an Krankenhäusern ist ein ermutigendes Zeichen für eine umfassende - „ummantelnde“ – das lateinische Wort PALLIUM bedeutet Mantel - Zuwendung zu leidenden Menschen (Patienten), um deren Einsamkeit, Isolation, Depression und Hoffnungslosigkeit zu erleichtern und zu überwinden.

Interdisziplinäre Schmerzambulanz auf dem Weg zum Zentrum für Palliativmedizin

Dienstag, 14. Sep 2004

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Kranke Menschen haben Angst vor Schmerzen. Etwa 80% der Krebskranken leiden in der letzten Lebenszeit an Schmerzen und viele erfahren nur eine ungenügende Schmerztherapie. Bei Patienten, die an chronischen Nicht-Tumorschmerzen leiden, z.B. Schmerzen im Nerven- und Muskelbereich, Patienten mit Phantomschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, Gürtelrose, Osteoporose, oder nach mehrfachen Wirbelsäulenoperationen, ist der Anteil derer, die keine ausreichende Schmerztherapie bekommen, noch höher.
Die interdisziplinäre Schmerzambulanz am Landeskrankenhaus Klagenfurt - bestehend aus Anästhesisten, Neurologen, Neurochirurgen, Orthopäden, Radiologen und klinischen Psychologen - bemüht sich seit dem Jahr 1993, bei ihren Patienten eine Schmerzlinderung bzw. -freiheit zu erzielen, was als Recht jedes einzelnen Patienten gesehen werden kann.

Starke Schmerzen müssen nicht mehr sein!
Nach heutigem medizinischen Standard müssen starke Schmerzen nicht mehr sein, denn unabhängig vom subjektiven Leidensfaktor beeinträchtigen sie auch den Heilungsprozess und sind verantwortlich für eine Vielzahl von Symptomen, wie z.B. Atmungseinschränkung, erhöhtes Risiko einer Venenentzündung, Thrombosen, Embolien, verzögerte Darmfunktion, verschlechterte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels und des Gewebes, Puls- und Blutdruckanstieg, Herzrhythmusstörungen, Gefäßverengung, Hemmung des Immunsystems, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und depressive Verstimmungen.
Die interdisziplinäre Schmerzambulanz am LKH Klagenfurt war eine der ersten Einrichtungen ihrer Art in Österreich und hat sich mittlerweile als erstrangiges Kompetenzzentrum etabliert. Es werden derzeit etwa 4.000 Patienten pro Jahr im Rahmen von rund 20.000 Einzelleistungen behandelt.

Welches Leistungsspektrum wird in der interdisziplinären Schmerzambulanz des LKH Klagenfurt angeboten?
Medikamentöse Therapie, Infiltrationen, Nervenblockaden, Kryotherapie, Lasertherapie, Jontophorese, transkutane elektrische Nervenstimulation, psychologische Schmerztherapie, Biofeedback, Akupunktur, Schmerzpumpen-implantation, neurostimulative Verfahren.
Postoperative Schmerztherapie wurde optimiert
Die interdisziplinäre Schmerzambulanz des LKH Klagenfurt ist auch verantwortlich für die postoperative Schmerztherapie in Zusammenarbeit mit allen chirurgischen Abteilungen des Hauses. Es konnte hier die Therapie optimiert werden, indem Schmerzmessung zur Routine wurde. Postoperative Schmerzen müssen nicht sein. Weiters werden in der interdisziplinären Schmerzambulanz Patienten behandelt, die von anderen Abteilungen mit chronischen Tumor- und Nicht-Tumorschmerzen zugewiesen werden. Auch von niedergelassen Kollegen und anderen Krankenhäusern werden Patienten zur ambulanten Behandlung an die Schmerzambulanz überwiesen.
Die interdisziplinäre Schmerzambulanz des LKH Klagenfurt ist von Montag bis Freitag von 7 bis 14 Uhr geöffnet und in der Nacht und am Wochenende auch telefonisch für Notfälle erreichbar.

Demnächst
Zentrum für interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Pallativmedizin
Die Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft und das Land Kärnten haben nun erkannt, dass es wichtig ist, diesen Weg weiterzugehen, da der Bedarf an Schmerztherapie und auch der Bedarf an Palliativmedizin und -pflege immer größer wird. Um diesen Bedürfnissen nachzukommen, wird ein Zentrum für interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Pallativmedizin errichtet:
Es werden im LKH Klagenfurt 14 Palliativbetten und 5 tagesklinische Schmerzbetten eingerichtet .
Das Besondere daran ist, dass hier die Interdisziplinärität im Vordergrund steht, also die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Abteilungen, auch die enge Zusammenarbeit im Bereich der Tumorpatienten mit der Onkologie. Um dieses Konzept auch qualitätsmäßig umzusetzen, muss ein entsprechender Personalschlüssel von Pflegepersonal, Ärzten, Psychologen, Ergotherapeuten unbedingt eingehalten werden.

Fortbildung groß geschrieben
Der interdisziplinären Schmerzambulanz des LKH Klagenfurt ist es gelungen, zu einem Kompetenzzentrum zu werden, das in ganz Kärnten und über seine Grenzen hinwegweit bekannt ist. Es wurde in den letzten Jahren im Bereich der niedergelassenen Ärzte viel Fortbildungsarbeit geleistet.

So wird etwa seit zehn Jahren ein Schmerzkurs für Ärzte in der Dauer von einer Woche abgehalten, der in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Erlangen durchgeführt wird. Das stößt auf großes Interesse und zeigt, dass im Bereich der Schmerztherapie und Palliativmedizin noch viel zu lernen ist.
Dank dieser Fortbildungsaktivitäten werden viele Schmerzpatienten in Kärnten schon im niedergelassenen Bereich erfolgreich behandelt. Nur mehr die komplizierten Fälle werden der interdisziplinären Schmerzambulanz des LKH Klagenfurt zugewiesen, die eben den Vorteil der interdisziplinären Zusammenarbeit mit Neurologen, Neurochirurgen, Orthopäden, Radiologen und klinischen Psychologen hat.

Für die Zukunft ist zu fordern:
Die Verbesserung der Ausbildung in Schmerztherapie und Palliativmedizin für Ärzte und die Einführung eines Zusatzfacharztes für Schmerzmedizin.
Weiters die schnelle Realisierung des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin mitsamt einer entsprechenden Personal- und Raumqualität. Es ist zwar bekannt, dass ambulante Patienten für einen Spitalserhalter wenig lukrativ sind, aber hier ist die Frage zu stellen, ob nicht eine gute ambulante, qualitativ hochwertige Behandlung mehr Kosten sparen kann als ein stationärer Patient, der unter Umständen aus einer insuffizienten ambulanten Behandlung resultiert.

Probleme, die noch gelöst werden müssen.
Leider bestehen nach wie vor Ängste vor Sucht durch Opiate, sowohl bei Patienten, als auch bei einem - allerdings nur noch geringen Prozentsatz - von Ärzten und Pflegepersonal. Wir haben hier also noch einiges zu verbessern, wobei Kärnten ein Aushängeschild in der Schmerztherapie darstellt, sowohl im Krankenhausbereich als auch im niedergelassenen Bereich. Diese hohe Qualität ist zurückzuführen auf eine gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen und auf entsprechende Fortbildungsaktivitäten, die schon seit Jahren stattfinden.

Ausblick
Mit dem Zentrum für interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin im Krankenhaus Klagenfurt setzt Kärnten wieder einmal einen Schritt, der nicht nur für Österreich zukunftsweisend ist, sondern auch für den gesamten Alpen-Adria-Raum.

STATEMENT von
Prim. Univ.-Doz. Dr. Rudolf Likar
Landeskrankenhaus Klagenfurt, Abteilung für Anästhesie und allgemeine Intensivmedizin
Leiter der Interdisziplinären Schmerzambulanz
Referent für Palliativmedizin und Schmerztherapie in der Kärntner Ärztekammer und Präsident von palliativ-kaernten
Tel. 0463 / 538-22664, e-mail: r.likar@aon.at

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